E5 – Ziele gegen Einsamkeit

Bist Du bereit für eine weitere Möglichkeit, die Einsamkeitsgefühle zu verkleinern, sie zu schwächen und für eine weitere Möglichkeit, leichter mit ihnen umgehen zu können?

In vielen schmerzvolle Phasen in Deinem Leben warst Du auf Dich allein gestellt. Es war niemand da, es hat Dich niemand vor schrecklichen Erlebnissen beschützt. Und es gab einfach zu viele davon! Und weißt Du was traurig ist? So viele von uns, die sich mit dieser komplexen Persönlichkeitsstörung auseinandersetzen müssen, waren gezwungen, mit viel mehr zurechtzukommen, als man ertragen konnte. Während Du Dich ganz allein allem stellen musstest, gab es gleichzeitig so viele andere Menschen, die sich auch in solchen Situationen befanden. Menschen, die so viel erlitten haben und anschließend in ihrer eigenen Welt versunken sind. In ihrer Welt, in die niemand anderes eindringen konnte. In der sie geschützt waren – und in der sie eben auch alleine waren. Du bist mit Deinen Erinnerungen gar nicht so alleine, wie es sich manchmal anfühlt.

Einsamkeit (nennen wir sie weiterhin einfach nur E?) ist entstanden in diesen schlimmen Momenten. Sie ist entstanden, als die Welt um uns herum zusammenbrach und Du alleine in der Mitte standest. Sie ist entstanden, als uns Dinge wiederfahren sind, die keinem Kind und keinem Erwachsenen wiederfahren sollten und es niemand gesehen hat. Sie ist entstanden als Deine Seele damit überfordert war und noch überhaupt nicht verstanden hat, was und warum die Dinge so geschehen wie sie geschehen. Sie ist entstanden, als Dein Herz noch nicht in der Lage war, die Gefühle zu greifen und Dein Kopf noch nicht so weit war, Gedanken daraus zu formen.

Traumatische Erlebnisse und die Unfähigkeit, seine Gefühle und Gedanken nach außen zu transportieren sind Es Nährboden. E ist darin geboren und gewachsen und fühlt sich darin pudelwohl. Kein Grund also, für E zu verschwinden, wenn wir noch immer in dieser Welt leben, oder?

Aber war da nicht noch eine zweite Welt? Dein Zufluchtsort in Deinem Herzen und in Deiner Seele? Dort warst Du auch allein, aber würdest Du sagen, Du warst dort einsam? Nein? Wieso nicht?

Genau – weil diese Welt sicher war. Sie war Deine Welt und sie hat Dich beschützt. Sie gehörte nur Dir. Allein sein und sich einsam fühlen gehören also nicht unbedingt zusammen, oder was meinst Du?

Vielmehr existiert E nur zusammen mit negativen Erlebnissen, Gefühlen und Gedanken, die wir hatten und natürlich auch heute noch haben. Mit furchtbaren Erfahrungen fühlt man sich nunmal sehr einsam. Und viele furchtbare Erfahrungen sorgen für viel Einsamkeit. Das ist absolut normal und es ist ok, sich so zu fühlen.

Unsere vergangenen Erlebnisse und Erfahrungen werden wir nicht ändern können. Sie sind einfach da. Ob wir das nun wollen oder nicht. Alles was geschehen ist, lässt sich nicht rückgängig machen. Aber was wir tun können ist, die mit unglücklichen Erfahrungen gefüllte Kiste mit positiven, schönen, glücklichen und liebevollen Erinnerungen aufzufüllen und somit den Anteil der schönen Erinnerungen zu vergrößern. Wir haben ja schon festgestellt, dass E sich in diesen nicht ganz so wohl fühlt 🙂

Und hier kommen die Ziele ins Spiel. Sich etwas konkretes vorzunehmen, sich ein Ziel zu setzen wird Dir dabei helfen, die Kiste in eine Schatzkiste umzuwandeln, die mit mehr schönen als mit scheiß Dingen gefüllt sein wird und E weniger Raum bietet.

Setze Dir ein Ziel

Du könntest zum Beispiel Dein erstes Ziel so definieren:

„Ich werde in den nächsten drei Monaten herausfinden, wie ich positive Erfahrungen sammeln kann.“

Oder vielleicht so:

„Ich werde in den nächsten 12 Monaten jeden Monat eine schöne Sache erledigen, zum Beispiel jemand anderem helfen, ehrenamtlich tätig werden, Kleidung oder Geld spenden, mich mit anderen verabreden, Menschen suchen, die ähnliche Interessen haben wie ich, mich mit diesen Menschen treffen, jemandem eine Freude bereiten, einen Zeichnen-Kurs an der Volkshochschule besuchen…“

Es ist ganz egal, welches Ziel Du Dir setzt. Es muss zu Dir passen. Folgende Spielregeln solltest Du dabei beachten, damit das Experiment „Ziel setzen“ funktioniert:

1. Lege einen Zeitraum fest.

2. Keines der Wörter darf negativ sein.

Zum Beispiel sollte das Ziel nicht lauten: „Ich fühle mich nicht mehr einsam“. Die Wörter „nicht“ und „einsam“ sind negativ und haben in Deinem Ziel nichts zu suchen.

3. Lege Dich auf etwas Konkretes fest.

„Sich nicht einsam fühlen zu wollen“ ist unkonkret. Man weiß gar nicht, was man denn stattdessen fühlen soll. Deshalb wird es nicht funktionieren. Besser wäre es also, zu formulieren: „Ich werde einmal in der Woche Spaß haben, indem ich zu Hause eine Stunde lang vor meinem Fernseher singe und tanze und mit einem Hoola-Hoop-Reifen die Hüften schwingen lasse während ich laut Gute-Laune-Musik höre. In dieser Stunde ist andere Musik verboten.“

4. Schreibe oder male Dir Dein Ziel auf.

5. Erinnere Dich jeden Morgen und jeden Abend daran. Lies es Dir durch, kleb es Dir neben Deinen Badezimmerspiegel oder tapeziere Deinen Hausflur mit Deinem aufgeschriebenen Ziel. Zwinge Dich dazu, es jeden Morgen und jeden Abend zu lesen.

6. Markiere Dir den festgelegten Zeitraum, zum Beispiel in Deinem Handy-Kalender oder in Deinem Wandkalender. Sobald das Ende des Zeitraumes erreicht ist, erinne Dich zurück. Wie hast Du Dich am Anfang gefühlt und wie fühlst Du Dich jetzt. Hat sich etwas verändert? Was hat sich verändert? Konntest Du in diesem Zeitraum mit diesem Ziel arbeiten oder formulieren wir es einfach nochmal um? Bist Du bereit für den nächsten Schritt? Für das nächste Ziel?

7. Während der von Dir festgelegten Zeit schmeißt Du nicht hin!

Vielleicht hast Du Dir vorgenommen, sechs Monate lang etwas zu tun. Wahrscheinlich wirst Du während dieser sechs Monate so gut wie jeden Tag denken, dass es nicht hilft und dass es Dir nichts bringt. Es wird Tage geben, an denen Du einfach keinen Bock mehr hast, Dich damit auseinanderzusetzen, an denen Du zu Tode genervt sein wirst und nicht mehr weitermachen willst. Bitte versprich mir und Dir selbst, es trotzdem durchzuziehen! Gönn Dir einen Tag Pause, oder auch zwei und danach machst Du weiter. Und ich verspreche Dir, dass am Ende der Zeit ein Puzzelteil von Deiner komplexen Persönlichkeit an seinen vorgesehenen Platz fallen wird!

8. Du darfst und sollst sogar Dein Ziel jederzeit ändern, wenn es Dir nicht guttut.

Oft weiß man ja noch gar nicht, was eigentlich gut für einen selbst ist oder merkt erst währenddessen, dass das, was man sich vorgenommen hat, es eigentlich nicht ist. Für die Introvertierten unter uns wäre es zum Beispiel unrealistisch, sich jeden Tag mit jemanden verabreden zu wollen. Man wäre sehr schnell erschöpft und tut sich selbst keinen Gefallen. Das ist nicht Sinn des Zielsetzens. Wenn Du also merkst, dass Dein Ziel eher schädlich ist, dann ändere es einfach.

Und nun wünsche ich Dir sehr viel Freude dabei und vor allem ein gutes Durchhaltevermögen! Ich freue mich auf Deine Erfahrungsberichte.

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