Du liebst mich nicht!

„Du liebst mich überhaupt nicht!“ „Doch, natürlich liebe ich Dich. Ich mache so viel für Dich, ich weiß nicht mehr, wie es Dir noch zeigen soll“.

Hast Du auch schon einmal solch einen Streit geführt? Hast Du schon einmal jemanden gesagt, er oder sie würde Dich gar nicht lieben oder hat Dir jemand anderes diesen Satz vor den Kopf geworfen, obwohl Du diese Person über alles geliebt hast und alles für sie getan hättest?

Wieso fühlte sich Dein Partner so ungeliebt, obwohl Dein Herz sich genau diesen Menschen für immer an Deine Seite gewünscht hat? Wieso hast Du Dich so ungeliebt gefühlt, wenn Dein Partner doch sagte, er liebe Dich und sogar aufzählte, was er alles für Dich auf sich nahm. Kann es sein, dass wirklich die Gefühle fehlten und der andere sie deshalb nicht fühlen konnte? Wohl kaum, denn auch Du hast doch jemanden geliebt, der aber was anderes behauptet hat, oder?

Sind Lieben und Geliebt werden gar zwei unterschiedliche paar Socken? Gary Chapman, Schriftsteller und über 30-Jahre-erfahrener Seelsorger beantwortet dies mit einem heftigen Kopfnicken: „JA!“.

Hast Du von einem Partner oder einem Freund schon oft Hilfe angeboten bekommen und es war Dir Tage später einfach egal, dass derjenige das für Dich getan hat? Zum Beispiel hat jemand die Gardinenstange über Deinem Fenster angebohrt oder Deine Waschmaschine angeschlossen. Wie dankbar warst Du dafür und hast Du nach ein paar Tagen noch daran gedacht? Hast Du Dich dadurch geliebt gefühlt? Ja? Nein?

Oder hat jemand viel Zeit mit Dir verbracht, in dieser Zeit aber andere Dinge getan, wie zum Beispiel beim Essen in den Fernseher zu schauen? Habt ihr abends zusammen auf der Couch gelegen, aber jeder war für sich in der TV Serie versunken? Hast Du Dich geliebt gefühlt? Ja? Nein? Mochtest Du die körperliche Nähe oder hättest Du Dir mehr Gespräch gewünscht?

Worauf kommt es an, dass man die Liebe fühlen kann, die der andere uns geben möchte? Worauf kommt es an, dass der andere fühlen kann, wie sehr wir ihn lieben? Wenn wir Gary Chapman fragen, dann ist die Antwort eigentlich ziemlich einfach:

Es kommt auf die richtige Sprache an!

Die 5 Sprachen der Liebe

ISBN 978-3-86827-701-2

Die fünf Sprachen der Liebe

Klingt ja bis jetzt recht einfach für so ein kompliziertes und unter Umständen sehr schmerzhaftes Thema wie die L I E B E.

Welche Sprachen gibt es denn?

  1. Geschenke
  2. Hilfsbereitschaft
  3. körperliche Nähe (Gary Chapman nennt es „Zärtlichkeit“)
  4. Zweisamkeit und
  5. Lob und Anerkennung

Soweit so gut. Sieht immer noch recht einfach aus. Viel zu einfach als dass diese die Grundmanifeste der wahren Liebe sein sollen, oder? Die Essenz, die entscheiden kann, ob es Liebe ist oder nicht. Können diese fünf Sprachen über Glück und Unglück einer Beziehung entscheiden? Das ist spannend! Komm, wir schauen uns das näher an. Dafür begleite mich doch ein Stück in meine Vergangenheit:

Salvatore (Name natürlich geändert :)) war ein interessanter, aufrechter Mann mit breiten Schultern und grünen, verschmitzten und durchdringenden Augen. Seine Lachfältchen waren immer sichtbar. Er redete außergewöhnlich viel und hinterfragte sofort alles. Kurz gesagt: Er ging sofort tief, so auch bei mir und ich verliebte mich in ihn. Bereits als wir uns kennenlernten wohnten wir in zwei verschiedenen Städten und nach wenigen Monaten zog ich noch weiter weg. So tummelte sich Salvatore am unteren (oder oberen?) Ende von Deutschland, während ich auf Entdeckungstour am oberen (oder unteren?) Ende Deutschlands ging. Wir lebten für die Wochenenden. Oder vielmehr lebte ich für die Wochenenden. Und da ging es schon los. Ich hatte das Gefühl, dass ich diejenige war, die mehr Mühe in das Zusammensein steckte, denn ich saß überwiegend freitags und sonntags in von Pendlern gefüllten Zügen und verbrachte so den Großteil der Wochenenden auf den Schienen Deutschlands. Ob das nun der Wahrheit entspricht oder nicht, sei mal dahingestellt. Ich weiß es nicht mehr so genau, aber ich hatte das Gefühl und daran erinnere ich mich bestens. Worüber ärgerte ich mich also? War Zweisamkeit meine Sprache der Liebe, die wir nicht hatten, da ich ja zuerst an jedem Wochenende 2.000 km quer durch Deutschland reisen musste? War Zweisamkeit etwa nicht Salvatores Sprache der Liebe? Denn ihn schien das weniger zu stören. Also gar nicht, um genau zu sein. Und das kränkte mich. Kein Wunder, dass ich mich schnell unglücklich fühlte, denn offensichtlich wurde meine Sprache nicht gesprochen. Der Samstag konnte jedoch noch alles retten, so hoffte ich es jeden Freitag Abend aufs neue. Kuscheln, beisammen sein, sich in die Augen schauen, quatschen, knutschen und… so weiter. Dann wäre es alles ok. Leider war das nur meine Vorstellung von einem Samstag, der alles retten könne, aber das wusste ich damals nicht. Salvatore hatte andere Wünsche. Und diese Wünsche beinhalteten seine Freunde. Immer. Und manchmal noch seine Familie dazu. Habe ich bereits erwähnt, dass ich eine introvertierte Persönlichkeit bin? Die Samstage waren so furchtbar anstrengend und raubten mir meine Lebensenergie. Ich wurde immer unglücklicher und fühlte mich nicht mehr geliebt. Ich dachte, meine Vorstellung des Zusammenseins wäre die einzig richtige Vorstellung, die doch jedes Paar haben müsse. Ich dachte das, weil ich überhaupt nicht darüber nachgedacht habe. Es war sonnenklar, dass es für jeden und immer so sein müsse.

Bis ich die „5 Sprachen der Liebe“ las. (Natürlich erst Jahre nach der Trennung von Salvatore – und nein, ich bin froh, dass wir nicht mehr zusammen sein müssen. Er ist lediglich ein gutes Beispiel). War doch „körperliche Nähe“ oder „Zärtlichkeit“ wie Gary Chapman diese Sprache nennt, meine Sprache der Liebe? Und sprach Salvatore auch nur ein einziges Wort meiner Muttersprache? Sprach ich ein einziges Wort seiner Muttersprache der Liebe (heute vermute ich, dass es die der „Geschenke“ ist). Kein Wunder, dass wir uns jeden Tag heftiger stritten, die Wörter in jedem Streit schärfer wurden und die Verletzungen und Bedrohungen mit jedem Wortgefecht tiefer schnitten. Wir verstanden einander einfach nicht.

Hätte es anders sein können, wenn Salvatore meine Sprache(n) der Liebe, zum Beispiel „körperliche Nähe“ gesprochen und mich einmal mehr in den Arm genommen hätte (oder mich überhaupt mal in den Arm genommen hätte…)? Hätte ich mich geliebter gefühlt? Hätte er sich geliebter gefühlt, wenn ich seine Sprache erkannt und gelernt hätte? Denn ohne Frage fühlte er sich genauso ungeliebt und unglücklich wie ich.

Ja. Vermutlich. Laut Gary Chapmann „JA, auf jeden Fall!“

Es geht in dem Buch „Die 5 Sprachen der Liebe“ vorrangig um Liebesbeziehungen. Beziehungen zwischen Frau und Mann, Frau und Frau oder Mann und Mann. Um romantische, leidenschaftliche, gefühlvolle Liebesbeziehungen eben 🙂

Gary Chapman beschreibt unseren Liebestank, der je nachdem wie gut der andere unsere Sprache spricht, gefüllt oder leer ist. Und was mit uns passiert, wenn sich der Liebestank leert, obwohl der andere uns liebt aber es nicht in unserer Muttersprache ausdrücken kann. Und ich glaube jeder von uns weiß es auch so. Jeder von uns weiß, wie man werden kann, wenn man sich nicht geliebt oder gar abgelehnt und verstoßen fühlt.

Werden wir also bessere Menschen in dem wir unsere Liebestanks füllen lassen, denn was ganz deutlich wird in dem Buch des erfahrenen Seelsorgers und Eheberaters ist, dass ein voller Liebestank der Grundbaustein für uns ist. Der Grundbaustein, der gelegt sein muss, damit wir uns anderen Dingen widmen können. Denn ist der Tank leer, so jagen wir dem hinterher, was ihn wieder füllt und das ist unser einziger Augenmerk. „Fülle den Tank!“ ist das einzige, was zählt. Klingt logisch und ich unterschreibe Chapmans Aussage sofort.

Hast Du jemanden an Deiner Seite, der Deinen Tank füllen könnte? Dann wären die fünf Sprachen der Liebe doch ein gutes Thema für das nächste gemeinsame Essen!

Du hast niemanden an Deiner Seite, dem Du den Platz des Tankbefüllers geben möchtest? Dann geht es Dir wie mir. Und Not macht ja bekanntlich erfinderisch 🙂 Zwei Fragen haben sich ab dem ersten Satz des Buches in mein Gehirn gebrannt und ließen mich bis zur letzten Seite nicht mehr los. Es geht um Beziehungen, um Partnerschaften, also immer mindestens eine zweite Person, die meine Sprache der Liebe sprechen können soll. Was wäre, wenn wir aus der Gleichung den Partner oder die Partnerin entfernen?

  • Weiß ich denn selbst überhaupt, welche der Sprachen meine Muttersprache ist?
  • Bevor ich von anderen erwarte, meine Sprache zu sprechen, sollte ich sie nicht selbst erst einmal beherrschen?

Ja! Ganz klares Ja! Ich erwarte vom französischen Austausschüler ja auch nicht, dass er die deutsche Sprache besser beherrscht als ich. Was gibt mir dann das Recht, zu erwarten, dass jemand meine Muttersprache der Liebe besser sprechen soll, als ich selbst? Was kann also nur das Ziel sein?

Wir lernen unsere eigene Liebessprache und wenden sie an uns selbst an!

Könnte das schon reichen, um unsere Liebestanks zumindest soweit zu füllen, dass wir dem nicht mehr verzweifelt hinterherlaufen oder uns furchtbar verhalten, weil der Tank so leer ist und wir mit Agression und Wut darauf reagieren? Könnte das der Schlüssel zur Heilung sein? Ist das der Anfang, wahre Liebe zu erfahren und geben zu können?

Vielleicht geht es Dir so wie mir. Wahre Liebe ist so weit entfernt wie eine Legende von Meerjungfrauen, die neuseeländischen Bergseen entsprungen sind. Du hast davon gehört. Du glaubst vielleicht auch, dass es sie gibt, aber nicht in Deiner Realität. Nicht in Deiner Welt. Nicht für Dich. Vielleicht kannst Du sie Dir nicht vorstellen, weil Du weder weißt, wie sie sich anfühlt noch wie man sie gibt?

Was wäre, wenn diese fünf Sprachen der Schlüssel sind? Sprachen, die wir wie englisch oder spanisch erlernen können.

Und wo fangen wir am besten an? Natürlich! Bei uns selbst 🙂

Könnten sich unsere Liebestanks füllen, wenn wir täglich für 30 Minuten unsere eigene Liebessprache sprechen anstelle uns täglich und rund um die Uhr für das fertig zu machen, was andere in unserem Leben verbockt haben?

Wie wäre es, wenn wir uns einmal in der Woche Zeit nehmen und einen Dialog mit uns selbst führten. Über unsere Wünsche, Sorgen und Nöte. Über unsere Gefühle und Gedanken, die uns gerade bewegen. Und wie wäre es, wenn wir uns selbst einfach nur zuhörten, ganz so, wie wir es uns von unserem Partner wünschen, wenn „Zweisamkeit“ die Muttersprache ist?

Wie wäre es, wenn wir lernen würden, uns täglich selbst für etwas zu loben, was wir gut gemacht haben oder uns anerkennend gegenüber uns selbst verhielten? Wenn wir lernen könnten, wie man sowas ausdrückt, wenn „Lob und Anerkennung“ Deine Muttersprache ist.

Jetzt wird es etwas schwieriger, aber was wäre, wenn wir uns selbst körperlich nah sein könnten. Wenn wir uns gut um unseren Körper kümmern würden, indem wir ihn gut behandeln zum Beispiel mit einem langen Spaziergang an der frischen Luft. Nach drei Stunden spürst Du Deinen Körper ganz bestimmt besser. Oder könnten wir uns selbst festhalten, wenn wir uns wie Babys richtig fest und eng in eine Decke einwickeln? Könnten wir die fehlende Nähe eines anderen, zum Beispiel mit bezahlten Massagen oder einer verordneten Physiotherapie, überbrücken?

Ohne Frage ist hier Kreativität gefragt! Denn eine neue Sprache zu lernen ist am Anfang meist schwer. Bis es irgendwann einfach wird.

Würden wir beginnen, uns selbst zu lieben, wendeten wir unsere Muttersprache auf uns selbst an?

Ist es so einfach?

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